Dana Vowinckel über Anton und Alma

Beitrag zu Dana Vowinckel über <i>Anton und Alma</i>

Dana Vowinckels Roman Anton und Alma erzählt von einer großen Liebe zwischen zwei jungen Menschen in einer zunehmend gespaltenen Welt. Im Interview spricht die Autorin über die Entstehung des Romans, die Frage nach Konversion und darüber, wie sich die Herkunft und das politische Geschehen in eine Liebesgeschichte einschreiben.


Dana Vowinckel, Ihr Debütroman Gewässer im Ziplock erschien 2023, Anton und Alma ist Ihr zweiter Roman. Wann kam Ihnen die Idee zu dieser Geschichte?
Es gibt eine Dating-App, die J-Swipe heißt und die nur für Juden und Jüdinnen ist – eigentlich. Man kann sich nämlich auch dort anmelden, wenn man nicht jüdisch ist, aber willing to convert. Der Ausgangspunkt für Anton und Alma waren diese drei Wörter: willing to convert. Warum würde jemand zu der einen monotheistischen Religion konvertieren wollen, die nicht missioniert? Und was, wenn das jüdische Gegenüber gar nicht möchte, dass jemand für ihn oder sie zum Judentum übertritt? Wie ändert die NS-Vergangenheit Deutschlands den Kontext dieser drei Wörter? Dann waren da plötzlich Anton und Alma, und diese Fragen sind erst einmal wieder in den Hintergrund gerückt, weil mich plötzlich ihre Liebesgeschichte aufrichtig interessiert hat und ich so wahrhaftig wie möglich von ihrer Liebe erzählen wollte.

Anton und Alma wachsen in derselben Stadt, Berlin, aber in sehr unterschiedlichen Verhältnissen auf und begegnen sich nur durch Zufall. Haben die beiden – bei allen Unterschieden – auch Gemeinsamkeiten?
So viele! Ihre Liebe zur Literatur, ihren Humor. Ihre Aufrichtigkeit, ihren unbedingten Wunsch, es richtig zu machen miteinander. Ihre Angst, einander zu verlieren. Ihren Hass auf Currypasten und eine sehr spezifische Art von Zillenial-Gequengel.

Anton und Alma verlieben sich in ihren Zwanzigern. Wie verändert sich die Beziehung im Laufe der Zeit, und was war Ihnen bei der Darstellung dieser Liebesgeschichte besonders wichtig?
Anton und Almas Liebe wird im Laufe der Jahre einerseits näher und tiefer und zugleich komplizierter. Das politische Weltgeschehen und ihre persönlichen Zukunftswünsche drängen sich immer mehr in ihre Beziehung: die Pandemie, der Rechtsruck in Deutschland, der Ukraine-Krieg und der israelisch-palästinensische Konflikt, aber auch ihre Karrierewege, Almas Kinderwunsch und Antons Freiheitswunsch, das Nachhausekommen zueinander und das die-Tür-so-fest-Zuschlagen, wie es geht. Die komischen, tragischen, satirischen und romantischen Momente dieser Liebesgeschichte, das Kleine und das Große.

Anton ist Jude, aber kaum in der jüdischen Gemeinde aktiv. Alma, die selbst nicht jüdisch ist, wendet sich immer weiter dem Judentum, seinen Bräuchen und der jüdischen Gemeinde zu. Ist das ein Phänomen, das sich auch in der Wirklichkeit beobachten lässt?
Gerade weil es in Deutschland eine vergleichsweise große Gruppe an Menschen gibt, die sich dem Judentum verbunden fühlen oder sich damit identifizieren, hat mich die Frage nach der Einzelentscheidung interessiert, insbesondere vor dem Hintergrund der Schoa. Jährlich treten bundesweit etwa sechzig bis hundert Menschen zum Judentum über. Ich wollte herausfinden, warum Alma diese Entscheidung trifft, und ich wollte herausfinden, wie ich das erzählen kann anhand einer Figur, die ich ernst nehme – und die ich mag. Ich glaube, ihre Gründe lassen sich nicht in zwei Sätzen fassen, deswegen musste ich wohl gleich einen ganzen Roman darüber schreiben.

Ihr Roman spielt vor und nach dem 7. Oktober 2023 – eine Zäsur, die auch für die Beziehung von Anton und Alma eine wichtige Rolle spielt. Welche Bedeutung hat der politische Kontext für die Liebesgeschichte Ihrer Protagonist:innen?
Ich denke, der politische Kontext spielt für jede Beziehung im Leben eine große Rolle. Soziale Machtverhältnisse werden ebenso hineingetragen wie Geschlechterverhältnisse, ob bewusst oder unbewusst. Alma studiert in der ersten Generation, sie kommt aus Ostberlin, während Anton in einer Akademikerfamilie im bürgerlichen Schöneberg aufgewachsen ist, aber als Jude natürlich andere Formen der Ausgrenzung erfährt als Alma. Und selbstverständlich wirken so einschneidende Ereignisse wie der Angriff der Hamas auf Israel und der darauffolgende Genozid in Gaza wie ein Brennglas. Gleichzeitig sind Anton und Alma ja nicht nur ihre Herkunft, sie sind keine Abziehbilder oder Sprechpuppen. Sie haben Charaktereigenschaften, sie haben eine Art, in die Welt zu schauen, sie sind verletzlich und tough und liebenswert und fehlbar.


 

»Dana Vowinckel hat die Welt durch ihre leuchtende Literatur zu einem schöneren Ort gemacht.«

Christian Kracht

DER ROMAN

Anton und Alma
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Signiertes Exemplar 26,00 €

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Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren an derselben Universität – doch das ist auch schon alles, was sie verbindet. Anton entstammt einer Akademikerfamilie, Alma ist bei ihrer Mutter und ihrem lieblosen Stiefvater am östlichen Stadtrand aufgewachsen. Anton ist Jude. Alma nicht. Doch die beiden verlieben sich, ziehen zusammen, streiten und versöhnen sich, bis Anton nach New York geht, um dort seine Masterarbeit über die Massenkonversion der Chasaren zum Judentum zu schreiben. Alma bleibt allein zurück und sucht Halt in Antons Gemeinde. Erst die Ereignisse des 7. Oktober 2023 und des Gaza-Kriegs, die polarisierte Stimmung sowohl auf dem Campus als auch in seiner eigenen Familie lassen Anton zu Alma zurückkehren, bei ihr Trost und Zuflucht finden. Doch dann reißt ein tiefer Abgrund auf, und die Hoffnung auf Glück scheint ferner denn je.

Anton und Alma erzählt die Geschichte einer großen Liebe in einer zunehmend gespaltenen Welt. Von der Sehnsucht nach Aufrichtigkeit und Geborgenheit, von Trauer und Verlust, von Glauben und Zugehörigkeit – und von unser aller Versuch, dem Leben einen Sinn zu geben. Ein herzzerreißender, mutiger Roman darüber, was es bedeutet, Mensch zu sein.

»Was für ein schönes, trauriges, kluges Buch. Ich vermisse Anton und Alma, seit ich die letzte Seite gelesen habe.«

Verena Keßler
Dana Vowinckel wurde 1996 in Berlin geboren und studierte Linguistik und Literaturwissenschaft in Berlin, Toulouse und Cambridge. Ihr gefeierter Debütroman Gewässer im Ziplock wurde mit dem Buchpreis Familienroman der Stiftung Ravensburger, dem Literaturpreis der Deutschen Wirtschaft und dem Mara-Cassens-Preis ausgezeichnet, für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, in mehrere Sprachen übersetzt und für die Bühne adaptiert. Für Anton und Alma erhielt sie unter anderem das Jahresstipendium des Deutschen Literaturfonds. Sie lebt in Berlin.
Dana Vowinckel wurde 1996 in Berlin geboren und studierte Linguistik und Literaturwissenschaft in Berlin, Toulouse und Cambridge. Ihr gefeierter...
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Zuletzt aktualisiert am 23.07.2026