Nils Kumkar, was ist Polarisierung? | Polarisierung kurz erklärt

Polarisierung scheint die Debatten in Deutschland und Europa zu bestimmen — online wie offline. Im Interview erklärt Nils C. Kumkar, was unter »Polarisierung« zu verstehen ist, wie sich kommunikative von ideologischer Polarisierung unterscheidet, welche Akteure davon profitieren und welche Rolle soziale Medien spielen. Er zeigt, warum Polarisierung gleichzeitig demokratische Teilhabe ermöglichen kann und unter welchen Bedingungen sie konstruktiv wirkt.

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Das neue Buch des Soziologen

Die Debatte um »Polarisierung« ist von einem Widerspruch geprägt. Während immer mehr Menschen eine »Spaltung der Gesellschaft« fürchten, zeigen Umfragen, dass die Einstellungen der Bürger:innen gar nicht auseinanderdriften.

Nachdem er sich zuletzt mit »alternativen Fakten« befasste, widmet sich Nils C. Kumkar nun einem anderen Aspekt, der die Debatte über die Debatten verwirrt. Er zeigt, dass die Beobachtung der Gesellschaft notwendigerweise Polarisierung wahrnimmt, da Letztere im politischen System mit seinen Unterscheidungen zwischen Regierung und Opposition sowie zwischen Regierenden und Regierten angelegt ist. Spaltung, so Kumkar, lässt sich letztlich nicht überwinden. Die Frage wäre, wie man produktiver spalten kann.

Nils Kumkar im Interview: Warum Spaltung und Polarisierung nicht gleichbedeutend ist


Herr Kumkar, was verstehen Sie unter Polarisierung?

Polarisierung ist zunächst mal eine gesellschaftliche Sorge. Es gibt eigentlich keinen politischen Akteur, keinen Feuilleton‑Redakteur, der sich nicht darum sorgen würde, dass die Gesellschaft polarisiert ist. Ich habe in meiner Forschung beobachtet, dass das, was die Leute sorgt, wenn sie sich um Polarisierung sorgen, in erster Linie politische Kommunikation ist. Und zwar politische Kommunikation, die unter der Maßgabe operiert, es gäbe einen zugrunde liegenden, tiefgreifenden Konflikt. Also von kommunikativer Polarisierung spreche ich in dem Buch immer dann, wenn politische Kommunikation so funktioniert, dass die Akteure sich gegenseitig unterstellen, dass es Sinn macht, ihre Kommunikation so zu verstehen, dass es schon einen Konflikt gibt, in dem man die Leute eigentlich nur noch einsortieren muss.

Nils C. Kumkar, geboren 1985, ist Soziologie und wissenschaftlicher Mitarbeiter am SOCIUM der Universität Bremen. Er forscht zu sozialer Ungleichheit und zu politischem Protest. Kumkar ist ein gefragter Ansprechpartner für Fernseh- und Rundfunkanstalten und schreibt u. a. für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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Zuletzt aktualisiert am 18.03.2026