Philipp Staab, scheitert die grüne Transformation? | Systemkrise kurz erklärt

Soziologe Philipp Staab analysiert in seinem Buch Systemkrise, wie institutionelle Defizite zusammen mit ökonomischen Interessen und gesellschaftlichen Widerständen wirksame Klimaschutz‑ und Anpassungsmaßnahmen blockieren. Staab plädiert für eine kombinierte Strategie aus politischer Regulierung, sozialer Transformation und institutioneller Neuausrichtung, um eine gerechte und durchsetzbare ökologische Modernisierung zu ermöglichen. 
Im Video beantwortet er sechs Fragen zu den Auswirkungen des grünen Kapitalismus auf unseren Alltag, die ökologische Transformation und gibt Einblicke in sein neues Buch Systemkrise. Legitimationsprobleme im grünen Kapitalismus.

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Das neue Buch des Soziologen

Vor ein paar Jahren noch gingen Hunderttausende für ambitioniertere Klimaziele auf die Straße. Heute protestieren vor allem jene Gruppen, die von einer solchen Politik belastet würden: Landwirte, Pendler, Hauseigentümer. Das Projekt einer ökologischen Transformation scheint erschöpft.

Philipp Staab diagnostiziert eine tiefgreifende Systemkrise. Die Aussicht auf Modernisierung erzeugt nicht länger Legitimität. Viele Bürger:innen empfinden Steuerungsversuche des Staates als übergriffig. Immer öfter wird aus Abwehr sogar offene Ablehnung nicht nur der Klimawende, sondern liberaler Grundwerte und der Demokratie als solcher. Der »grüne Fortschritt«, so Staab, ist selbst zur Quelle von Instabilität geworden. An die Stelle des Versprechens einer helleren Zukunft ist eine Utopie des Stillstands getreten.

Philipp Staab im Interview: Scheitert die grüne Transformation?

Herr Staab, warum erzeugt der grüne Kapitalismus neue Legitimitätsprobleme, statt sie zu lösen?

Das haben wir, glaube ich, ganz konkret am Scheitern liberaler Regierungen gesehen, etwa in den USA oder in Deutschland, die vor allem als Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik diese Form grüner Modernisierung gewählt hatten. Es hätte allerdings wahrscheinlich auch andere Modernisierungsmaßnahmen in gleicher Art und Weise erwischt. Die Grundlage dafür ist, dass wir es mit Lebenswelten in spätspätmodernen oder nachspätmodernen Gesellschaften wie unserer zu tun haben, die im Grunde genommen nicht mehr emanzipatorisch orientiert sind, sondern von Selbsterhaltungsproblemen, von fundamentalen Reproduktionsproblemen gebannt sind. Das macht sie defensiv, das macht sie veränderungsavers.
Philipp Staab, geboren 1983, ist Professor für die Soziologie von Arbeit, Wirtschaft und technologischem Wandel an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2021 wurde er mit dem Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet.
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Zuletzt aktualisiert am 18.03.2026