András Visky und Timea Tankó auf der Shortlist für den Internationalen Literaturpreis 2026

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19.05.2026
Beitrag zu András Visky und Timea Tankó auf der Shortlist für den Internationalen Literaturpreis 2026
András Visky und Timea Tankó stehen für den Roman Die Aussiedlung auf der Shortlist für den Internationalen Literaturpreis 2026.

»Nur selten begegnet man Büchern, in denen Erzählung und Sprache so sehr in einer höheren Einheit aufgehen wie in András Viskys Roman Die Aussiedlung. Für das Schicksal seiner Familie im Rumänien der 1950er Jahre (der Vater, ein widerständiger Pastor, in langer Haft, die Mutter mit sieben Kindern in die Bărăgan-Steppe zwangsdeportiert) fand der Autor nach Jahrzehnten der Suche die vollkommene Form: das Fragment. In 822 Sätzen ohne Punkt verwandelt Visky Jahre des Zwangs und der Entbehrung ›im Lagernichts‹ in ein Hohelied der Liebe und Freiheit. Immer im Zentrum dabei die Bibel (›unser einziges Zuhause‹), aus der die Mutter täglich vorliest und deren vierfachen Schriftsinn die kindliche Fantasie um einen fünften erweitert. ›Mit der Stimme der Stille steht oder fällt alles‹, heißt es im 658. punktlosen Satz. In Timea Tankós pfingstwunderbar flüssiger, souverän stimmlagensicherer Übersetzung steht und schwingt Die Aussiedlung von der ›knatternden Behördensprache‹ bis ins ›Schweigen zwischen den Herztönen‹«, so die Jurybegründung von Hannes Langendörfer. 

Zum achtzehnten Mal wird 2026 der Internationale Literaturpreis (ILP) verliehen. Er zeichnet ein herausragendes Werk der internationalen Gegenwartsliteraturen und seine Erstübersetzung ins Deutsche aus. Dieser doppelte Fokus macht ihn in der deutschen Preislandschaft einzigartig.
Der diesjährigen Jury gehören Hannes Langendörfer, Paula Fürstenberg, Cia Rinne, Melody Makeda Ledwon, Maha El Hissy, Joy Denalane und Senthuran Varatharajah an.  Im Rahmen des Festes der Shortlist am 3. Juli 2026 werden die nominierten Titel in Gesprächen und Lesungen von Autor:innen, Übersetzer:innen und Jurymitgliedern vorgestellt. Im Anschluss wird das Gewinner:innen-Duo in einer feierlichen Preisverleihung ausgezeichnet.



 

Der nominierte Roman

Die Aussiedlung
eBook 25,99 €
András, der Erzähler, jüngstes von sieben Kindern, liebt seine tapfere Mutter Júlia über alles – wo sie ist, lauert das Glück, egal, was geschieht. Vier Jahre lang zieht sie mit ihren Kindern in der ostrumänischen Steppe umher – sie wurden »ausgesiedelt«, nachdem der Vater, ein Pastor, zu 22 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war. Sie richten sich in Erdhöhlen ein und in verlassenen Dörfern, beaufsichtigt von den Behörden. Sippenhaft. »Ich merke mir alles und werde über alles schreiben, wenn die Zeit gekommen ist, sage ich zu unserer Mutter, um sie zu trösten, als ich sie beim Weinen ertappe, schreiben verwende ich als Synonym für rächen, ohne zu wissen, was ich sage.« Jahrzehnte später findet Visky den gleichmütigen, zuweilen heiteren Ton, die leuchtenden Bilder und die Form: 822 durchnummerierte Minikapitel, die Atemzügen gleichen.

András Visky, Jahrgang 1957, ist ein namhafter ungarischer Dramatiker und Regisseur, der in Cluj-Napoca lebt und arbeitet. Nach Jahrzehnten, in denen er Theaterstücke, Gedichte und Essays schrieb, veröffentlichte er 2022 seinen ersten und einzigen Roman Die Aussiedlung. Dieses Buch erregte allergrößtes Aufsehen in Ungarn und liegt dort mittlerweile in der fünften Auflage vor.
András Visky, Jahrgang 1957, ist ein namhafter ungarischer Dramatiker und Regisseur, der in Cluj-Napoca lebt und arbeitet. Nach Jahrzehnten, in denen...

Timea Tankó, 1978 geboren, arbeitet seit 2003 als literarische Übersetzerin aus dem Französischen und dem Ungarischen (u.a. Andor Endre Gelléri, István Kemény und Antal Szerb).

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Zuletzt aktualisiert am 20.05.2026