Dževad Karahasan erhält den Jeanette Schocken Preis 2019

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22.01.2019

Dževad Karahasan wird mit dem Jeanette Schocken Preis 2019 ausgezeichnet.

In der Begründung der Jury heißt es: »Dževad Karahasans Bücher sind absolut zeitgenössisch, aber auf raffinierte Weise zeitlos. Sie zeigen den Menschen in seiner Verführbarkeit und beschreiben staatliche Systeme und ihren moralischen Verfall. Es ist ein organisches Erzählen, abseits aller formalen und sprachlichen Effekte.
In Karahasans Roman Der nächtliche Rat geht es um das Jugoslawien des Jahres 1991, am Vorabend des Bürgerkriegs, und der Autor verbindet dabei einen Proustschen Erinnerungssog mit dem sensiblen Registrieren gesellschaftlicher Veränderungen. Alle seine Bücher vereinen sich zu einer eindringlichen Absage an jede Form von Nationalismus und ideologischer Engstirnigkeit.
Karahasan erlebte von 1992-1995 die Belagerung Sarajewos im jugoslawischen Bürgerkrieg und zeichnete in seinen ersten Büchern minuziös nach, wie diese einst multiethnische Stadt danach zu existieren aufgehört hat. Sein bisher letzter Roman Der Trost des Nachthimmels lebt zudem stark von der Tradition der Mündlichkeit, es handelt sich um eine Art Fortschreibung von 1001 Nacht. Der Leser sieht sich zwar in das Reich der Seldschuken im 11. Jahrhundert versetzt, aber es ist in jedem Satz spürbar, dass es sich beileibe nicht um einen ›historischen Roman‹ im klassischen Sinne handelt: Es geht um den Fundamentalismus, der im Zerfall geordneter Strukturen entsteht.
Dieser Autor wurzelt in antiken, islamischen und christlichen Traditionen gleichermaßen, ist ein Spezialist für abendländische und morgenländische Philosophie, kennt die theologischen Verästelungen des Christentums und des Islam und plädiert unbeirrbar für Menschlichkeit und Toleranz. Karahasan bringt die unmittelbare Liebe zum Dasein und das Bewusstsein für die Katastrophe der Geschichte auf eine einzigartige Weise zusammen.«

Der Jeanette Schocken Preis ist mit 7.500 Euro dotiert und wird seit 1991 im zweijährigen Turnus verliehen. Die Preisverleihung findet am 12. Mai 2019 im Historischen Museum Bremerhaven statt.

Im Suhrkamp Verlag erschien von Dževad Karahasan zuletzt der Band Ein Haus für die Müden.


Dževad Karahasan, 1953 in Duvno/Jugoslawien geboren, Erzähler, Dramatiker und Essayist. Die Belagerung Sarajevos war Thema seines in zehn Sprachen übersetzten Tagebuchs der Aussiedlung (1993) und seiner beiden Romane Schahrijârs Ring (1997) und Sara und Serafina (2000). Für den Essayband Das Buch der Gärten wurde er 2004 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Karahasan lebt in Graz und Sarajevo.

Dževad Karahasan, 1953 in Duvno/Jugoslawien geboren, Erzähler, Dramatiker und Essayist. Die Belagerung Sarajevos war Thema seines in zehn Sprachen...

Autorenfoto zu Dževad  Karahasan
© Jürgen Bauer

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