Raimund Fellinger (Cheflektor des Suhrkamp Verlags) über Peter Handke

 

»Übersetzen: im Zentrum des Geschehens; Schreiben: am Rand, mit dem fortwährenden Versuch, sich einem Zentrum zu nähern, das ungewiss bleibt – bleiben muss?« Peter Handke


In den Achtzigerjahren ereignet sich eine Umorientierung Peter Handkes bei den Zwischenarbeiten, seinem Schreiben »zwischen« dem Abschluss eines Buches und dem Beginn der Niederschrift eines neuen: Statt Bücher von Kollegen zu besprechen, konzentriert er sich nun für diese Zwischenphasen auf das Übersetzen: Zunächst überträgt er Walker Percys Der Kinogeher, es folgen zwischen 1981 und 1984 Meine Freunde, Armand und Bécon-les-Bruyères von Emmanuel Bove. Den Roman Der Spiegeltag seines französischen Übersetzers Georges Arthur Goldschmidt übersetzt er ebenso wie Patrick Modianos Eine Jugend, Gustav Janus und Florjan Lipus aus dem Slowenischen oder Aischylos und Sophokles aus dem Griechischen.

1979 zieht Peter Handke von Paris nach Salzburg, damit die Tochter Amina an einer deutschsprachigen Schule ihr Abitur ablegen kann. Und wie der Geologe sich mit Raumformen beschäftigt, so erkundet Peter Handke nun verstärkt die Topografie; Land und Landschaften werden zu Protagonisten seiner Bücher. Während der Entstehung der Langsamen Heimkehr notiert er in eines seiner Notizbücher: »Manchmal die Vorstellung, ein Schriftsteller hätte vor allem die eine Pflicht: eine Landschaft zu verewigen – Aber wie? – Mit den Geschichten von Menschen.« In seiner ersten in Salzburg (Ende 1982) entstandenen Erzählung Der Chinese des Schmerzes setzt er diese Vorstellung um.

Anhand des Chinesen des Schmerzes ist auch ein Blick in die Arbeitsweise von Peter Handke möglich, wie sie bis Ende der achtziger Jahre für ihn charakteristisch ist. Der Autor schreibt zunächst mit der Schreibmaschine seine Geschichte ohne Zeilenabstand nieder. In einem zweiten Arbeitsgang wird dieser Text handschriftlich korrigiert und erweitert. In einem dritten Schritt wird diese Version überarbeitet und in eine Typoskript-Form gebracht – mit anderthalbzeiligem Abstand -, die als Satzvorlage dient. Im Lauf der Drucklegung nimmt der Autor dann weitere, größere oder kleinere Korrekturen vor.

Die letzten in Salzburg geschriebenen Bücher sind Die Abwesenheit (publiziert im Jahr 1987) und das Langgedicht An die Dauer (geschrieben im März 1986). 1987 gibt Peter Handke schließlich seine Wohnung in Salzburg auf: »Ungewöhnlich, aber wahr ist, dass ich nach 18 Jahren, nachdem meine Tochter das Gymnasium beendet hatte, frei war und ich nicht in einem fort an einem Ort bleiben musste.« Und so begibt sich Peter Handke auf eine mehrjährige Weltreise.

Peter Handke | Bücher (Erscheinungstermin: ab 1979)

 

Peter Handke | Bühnenstücke und Hörspiele (Uraufführung: ab 1979)

Peter Handke

Über die Dörfer

Zwischen den Geschwistern Gregor, Hans und Sophie kommt es zu einem Konflikt um das elterliche Haus. Gregor, der Älteste, hat das Haus geerbt. Hans, der dieses Haus nun bewohnt, bittet zunächst seinen Bruder vergeblich, auf dieses Anrecht zu verzichten, u ...
mehr zum Bühnenstück »

Dramatisches Gedicht

4 Damen, 5 Herren, 2 Dekorationen

UA: Salzburger Festspiele
08.08.1982
Regie: Wim Wenders