Raimund Fellinger (Cheflektor des Suhrkamp Verlags) über Peter Handke

»Ich war schon immer, was jetzt konkret dazukommt, ein problematischer Erzähler. Ich habe erzählt mit Problemen, mit Problemen des Blicks, Problemen der Sprache...« Peter Handke


Als Peter Handke 1996 seine Winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien veröffentlichte, war das Skandalon groß, da er sich, wie der Titel andeutet, nicht in den Chor der Serbien-Hasser einreihte. Die übelsten und bösartigsten Beschimpfungen seiner Person und seines Schreibens gehörten zum guten Ton in der veröffentlichten Meinung. Von ihr ließ sich Handke gleichwohl, erneut, wie seine Anwesenheit beim Begräbnis von Milosevic bezeigt, nicht beirren: Im selben Jahr 1996 erscheint Sommerlicher Nachtrag zu einer winterlichen Reise, 2000 Unter Tränen fragend, 2003 Rund um das Große Tribunal und 2006 Die Tablas von Daimiel.

In einem Interview 2006 antwortet Peter Handke auf die Frage nach dem Grundantrieb seines Serbien-Engagements: »Es ist die Sprache. Dass man so nicht schreiben darf über Jugoslawien. Dass die Sprache mit einem Schlag verkommen ist. Es gibt journalistische Artikel, bei denen mir das Herz aufgeht oder den Geist befeuern, aber da ist etwas Fruchtbares geschehen. Ich habe, als ich meine Winterliche Reise schrieb, Serbien unter dem Embargo erlebt, wie ich es nicht kannte. Später hat man sich lustig gemacht, dass ich schreibe, wie die Nudeln am Markt von Belgrad ›andersgelb‹ sind. Sie sind es wirklich. Es ist das Land, das solches erzählt.« Frage: Um aufs Haager Kriegsverbrechertribunal zu kommen: Sie haben ihm als Ganzem die Legitimität abgesprochen: »Nein, nur in Bezug auf Milosevic. In den Gerichtssälen, wo es um die konkreten Kriegsverbrechen geht, wird gute Aufklärungs- und juristische Arbeit geleistet. Aber im Prozess gegen Milosevic wurden viele Fehler begangen aus Voreingenommenheit. Ich hätte mir gewünscht, dass der Prozess in Serbien stattgefunden hätte.«

Die öffentliche Ächtung – ein Beleg ist die erwähnte Groteske um den Düsseldorfer Heinrich-Heine-Preis, ein anderer die Absetzung eines der Stücke des Autors vom Spielplan des Theaters der Pariser Académie francaise -, die Peter Handke veranlasste, die mit dem 1973 verliehenen Georg-Büchner-Preis verbundene Geldsumme zurückzuzahlen, beeinträchtigte sein Schreiben nicht. So waren die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts auch ein großes Jahrzehnt des Stückeschreibers Peter Handke. Hier seien genannt: Zurüstungen für die Unsterblichkeit (1997) und Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg (1999). Bei den Uraufführungen führte wie bereits bei Peter Handkes Publikumsbeschimpfung stets Claus Peymann Regie.

Peter Handke | Bücher (Erscheinungstermin: 1996-2000)