Die Ehe
Noch nie ist die Ehe so idealisiert und so angefochten worden wie in diesem Jahrhundert. Sie scheint an die Stelle der Jungfräulichkeit getreten zu sein: heute regiert die Ehe die Sexualität. Andererseits wird dieser permissive Bereich der Sexualität als ein Repressionsinstrument denunziert. Bleibt die Sexualität nicht weiterhin dem Fortpflanzungsgebot unterstellt, genau wie zu der Zeit, als das asketische Ideal sich gegen die außer- und innereheliche Sexualität behauptete? Der Übergang vom...
Noch nie ist die Ehe so idealisiert und so angefochten worden wie in diesem Jahrhundert. Sie scheint an die Stelle der Jungfräulichkeit getreten zu sein: heute regiert die Ehe die Sexualität. Andererseits wird dieser permissive Bereich der Sexualität als ein Repressionsinstrument denunziert. Bleibt die Sexualität nicht weiterhin dem Fortpflanzungsgebot unterstellt, genau wie zu der Zeit, als das asketische Ideal sich gegen die außer- und innereheliche Sexualität behauptete? Der Übergang vom Asketismus zum Puritanismus, vom Jungfräulichkeitsideal zur Eheideologie kann ohne eine historische und theoretische Analyse der jungfräulichen Askese nicht verstanden werden. Dieser frühe Gestus des Christentums prägt zum Teil noch heute unsere Vorstellungen von Sexualität und dem Eheleben, ungeachtet unserer eigenen Sexualpraktiken und der Freiheiten, die wir im Hinblick auf die Ehe in Anspruch nehmen.
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