Peter Handke
Vor der Baumschattenwand nachts - Zeichen und Anflüge von der Peripherie 2007-2015

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Gepl. Erscheinen: 12.11.2018
suhrkamp taschenbuch 4883, Taschenbuch, 424 Seiten
ISBN: 978-3-518-46883-8

Inhalt

Kaum ein zweiter Autor hat in den letzten Jahrzehnten die Welt mit so viel Aufmerksamkeit angeschaut wie Peter Handke; und diese Aufmerksamkeit ist Wahrnehmung, die gelten lässt. Sie muss nicht mehr in Sprache übertragen werden, denn sie ist Sprache, der Blick ist das Wort, in dem das Gesehene sich tatsächlich wahrgenommen fühlt.
Immer wieder gelingt es diesem Dichter die Welt so darzustellen, dass sie zur Geltung kommt und sie sich und wir sie erkannt wissen, und immer schon ist ihm das in besonderer Weise in seinen Notiz- und Tagebüchern gelungen. In denen der Jahre nach der Jahrtausendwende hat Peter Handke sich zunehmend darauf eingelassen, seine Beobachtungen in aphoristischen Formulierungen zu bündeln, die für den Leser Anstöße in offenes Gelände sind, wo er im »Karawanenzug der Sätze« der Welt auf ungewohnte und erfrischende Weise begegnet.

Kommentare

»Die Journale der Jahre 2007 bis 2015 zeigen nicht nur, wie langfristig Handke an seinen Büchern arbeitet – ›Die Obstdiebin‹, die im November 2017 erscheinen wird, ist seit 2014 präsent - sondern auch, was für ein Leser Handke ist und was ›lesen‹ für ihn bedeutet. Neben Goethe - immer wieder, immer noch Goethe - bleibt er der Grals-Suche in Wolfram von Eschenbachs ›Parzifal‹ eingedenk, liest Jakob Böhme, Ibn Arabi, Al Ghasali, Spinoza, den Koran, Thoreau, Emerson, Doderer, Bernanos, Dostojewski, Stifter, und viele andere mehr, allesamt Spiegel, Begleiter, Wegbereiter. Handke ist unterwegs, buchstäblich, und er findet - erfindet - im Gehen eine ›andere Welt‹, eine ›andere Zeit‹. Immer wieder er-findet er Wörter für bislang Ungesehenes, Unerhörtes, präzisiert, unterscheidet, entdeckt die Schönheit und den Reichtum der deutschen Sprache und ihrer Sprach-Spiele. Dass auch Dylan immer wieder zitiert wird und ein YES-song ihm durch den Kopf geht, beweist die Kontinuität des Wirkens und Wollens dieses Poeten der Beat-Generation durch die Jahrzehnte ebenso wie der immer wieder zitierte ›Gehende auf der Landstraße‹ aus seinen ›Hornissen‹ samt Mutter, Onkel, Bruder und anderen Ungenannten mehr aus Stara Vas, dem Herkunft-Dorf. Handkes Projekt war und ist es, die Welt zu entdecken, und das gelingt – sporadisch – nur, wenn die schöpferische Kraft sich losreißt vom ›Pfahl des Ich‹ – oder los-reist. Immer wieder entstehen dabei ›Und-Texte‹, ›Fast-Gedichte‹ und Gedichte, Kommentare zu Musik, Bildern und Filmen, vor allem: Fragen. Für den postmodernen Leser am befremdlichsten und irritierendsten dürfte Handkes Religiosität erscheinen, als die er nicht nur sein tagtägliches Dasein versteht, sondern die er auch in der Teilhabe an der Liturgie lebt. Auch dies macht ihn heute zur Ausnahme. Wer seine Lebenszeit nicht vergeuden, wacher, heller, vollständiger, auch heiler werden möchte, wird diese Aufzeichnungen samt den früheren Journalen mit Freude und Gewinn lesen.«
Benedikt Maria Trappen, 03.11.2017

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