Thomas Macho
Das Leben nehmen - Suizid in der Moderne

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Erschienen: 11.09.2017
Gebunden, 532 Seiten
ISBN: 978-3-518-42598-5
Auch als eBook erhältlich


Sachbuch-Bestenliste

Wem gehört mein Leben?


»Der Selbstmord«, schrieb Walter Benjamin in seinem Passagen-Werk, erscheint »als die Quintessenz der Moderne«. Und in der Tat: Nachdem der Versuch, sich das Leben zu nehmen, über Jahrhunderte als Sünde oder Ausdruck einer psychischen Krankheit betrachtet, in einigen Ländern sogar strafrechtlich sanktioniert wurde, vollzieht sich seit dem 20. Jahrhundert ein tiefgreifender Wandel, der zur Entstehung einer neuen Sterbekultur beigetragen hat. Der eigene Tod gilt immer häufiger als »Projekt«, das vom Individuum selbst zu gestalten und zu verantworten ist. Wer sich das Leben nimmt, will es nicht mehr nur auslöschen, sondern auch ergreifen und ihm neue Bedeutung geben.

Thomas Macho erzählt die facettenreiche Geschichte des Suizids in der Moderne und zeichnet dessen Umwertung in den verschiedensten kulturellen Feldern nach: in der Politik (Suizid als Protest und Attentat), im Recht (Entkriminalisierung des Suizids), in der Medizin (Sterbehilfe) sowie in der Philosophie, der Kunst und den Medien. Er geht zurück zu den kulturellen Wurzeln des Suizids, liest Tagebücher, schaut Filme, betrachtet Kunstwerke, studiert reale Fallgeschichten und zeigt insbesondere, welche Resonanzeffekte sich zwischen den unterschiedlichen Freitodmotiven ergeben. Seine Diagnose: Wir leben in zunehmend suizidfaszinierten Zeiten.

Pressestimmen

»Wie sehr Wahrnehmung und Realität des Suizids auseinanderklaffen, zeigt das kluge Buch des österreichischen Soziologen und Philosophen Thomas Macho ... . Macho bringt eine Ordnung, fast schon eine Methodologie in die Geschichte des Suizids und zeigt leitmotivisch auf, wie sehr die Selbsttötung mit der Moderne verbunden ist.«

Sarah Pines, Neue Zürcher Zeitung

»In gekonnter Nacherzählung, in klug gesetztem Zitat, in genauem Bedenken und mit Empathie erhellt Macho ein Leitmotiv unserer Kultur.«

Georg Klein, Süddeutsche Zeitung

»Thomas Macho schreibt so über den Selbstmord, dass man nicht aufhören will, davon zu lesen.«

Petra Gehring, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Das Leben nehmen erzählt eine breitgefächerte Kulturgeschichte des Selbstmords …«

Tobias Schwartz, Der Tagesspiegel

»Thomas Macho bleibt streng sachlich in seinem Buch ... Denn [er] betreibt Wissenschaft, keine Propaganda – weder in der einen, noch in der anderen Richtung.«

Günter Kaindlstorfer, Deutschlandfunk

» ... Thomas Macho [präsentiert] eine Fülle an Material, bestehend aus zahllosen Fallgeschichten und Beispielen aus der Literatur-, Film-, Kunst- und Philosophiegeschichte. Machos Zusammenschau belegt eindrucksvoll, wie sehr die Menschen dieses Thema beschäftige und beunruhigte, schon in der Antike und im Mittelalter, vor allem aber seit der Moderne.«

Oliver Pfohlmann, WDR

»Das Leben nehmen [zeichnet sich] durch Klarheit und Präzision aus, vor allem durch ein sicheres Gespür für treffende Zitate und erhellende Geschichten aus Politik, Philosophie, Medizin, den Künsten, also Literatur, Malerei und Film ... und anderen Lebensbereichen.«

Dr. Dietrich Klose, Vaihinger Kreiszeitung

»Alle Leser, die eine bravouröse Kulturgeschichte des Suizids und der Moderne gleichermaßen suchen, sollten zugreifen.«

Florian Baranyi, Falter 41/2017

»Macho zieht seine historische Linie nicht nur ungeheuer plastisch, verführerisch kasuistisch, sondern erzählt mit leichter Feder auch von der Dialektik der Automisierung, dass der Tod als Projekt, als individuelle Aufgabe, den überalterten Einzelnen leicht überfordert.«

Reinhard Mehring, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft

»Camus schrieb, dass es nur ein ernstes philosophisches Problem gebe: den Selbstmord. Macho liefert keine eigene Theorie und löst auch nicht das von Camus benannte Problem. Aber er breitet es doch in all seinen Facetten und Formen vor uns aus.«

Ulrich Rüdenauer, Philosophie Magazin 01/2018

Videobeiträge

Kommentare

»Dieses Buch ist sehr notwendig. Das Totschweigen des Suizides in unserer Gesellschaft und in den Medien muss durchbrochen werden. Auch um den sich selbst zu Tode gebrachten Menschen und ihre Motive, ihre Leiden und Ängste usw. zu würdigen und zur Sprache zu bringen. Das selbe gilt für Alter und langsames Dahinsiechen.....
Ich habe erst vor 2 Monaten den Suizid einer todkranken Bekannten miterlebt, die nirgendwo Hilfe im Sozialsystem gefunden hat und der man in der Familie mit "gläubigen" Sprüchen kam. Natürlich stand auf der Parte "plötzlich aus dem Leben geschieden" - und nicht, was wirklich geschah - Sprung aus dem 12. Stock.

Wir sind die "Kopf in den Sand stecken"-Gesellschaft, leider.
Ich werde mir das Buch kaufen und an so viele Freunde wie möglich weiterempfehlen.«
Allex Wilma, 07.10.2017

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