Eric Wrede und Fee Vogel, was ist Trauerbewältigung? | Trauerbewältigung kurz erklärt
Trauerbewältigung klingt nach einem Vorgang, der sich abschließen lässt – und genau darin sehen Eric Wrede und Fee Vogel ein Missverständnis. Eric Wrede ist Bestatter, Trauerbegleiter, Autor und Podcaster und hat lebensnah Bestattungen gegründet. Fee Vogel ist Autorin, Bestatterin und Trauerkulturentwicklerin, Geschäftsführerin von lebensnah Bestattungen in Bonn und auf Trauer am Arbeitsplatz spezialisiert. Im Video erklären beide, warum Trauerbewältigung kein Endpunkt ist, woran sich behandlungsbedürftige Trauer erkennen lässt und welche Rolle Betriebe und Krankenkassen in Deutschland dabei spielen. Ihre These: Trauer ist keine Krankheit, sondern eine Kraft, mit Veränderung umzugehen.
Trauer ist keine Krankheit. Sie ist eine Kraft.
Fee Vogel und Eric Wrede schreiben klar, direkt und kompromisslos darüber, was Trauer wirklich ist: keine Krise, die gelöst werden muss – sondern die logische, körperliche und emotionale Antwort auf Liebe.
Jeder Mensch kann trauern ist kein Trostbuch, kein Ratgeber von oben herab, sondern ein empathisches, nahes und ehrliches Buch über das Menschsein – mit Zeilen für eigene Gedanken der Lesenden.
Jeder Mensch kann trauern ist kein Trostbuch, kein Ratgeber von oben herab, sondern ein empathisches, nahes und ehrliches Buch über das Menschsein – mit Zeilen für eigene Gedanken der Lesenden.
Eric Wrede und Fee Vogel im Interview
Was bedeutet »Trauerbewältigung« – und warum kann die Idee, Trauer »überwinden« zu müssen, problematisch sein?
Fee Vogel: Ehrlich gesagt ist Trauerbewältigung in diesem Zusammenhang schon der falsche Begriff. Trauer kann man nicht abschließend bewältigen, erledigen, abhaken, Trauer ist etwas, was bei einem bleibt. Es ist ein Prozess, der sich verändert, aber er bleibt.
Eric Wrede: Und das ist etwas, was wir natürlich häufig sehen: den Wunsch, Sachen abschließen zu können – wir sind ja alle Kinder der ersten Welt. Aber ich glaube, wenn man sich das selber einmal vergegenwärtigt: jemanden, den man geliebt hat, eine Sache, die einem richtig wichtig geworden ist – das Vermissen, selbst in positiver Form, wird immer weitergehen. Ich hatte das gerade in einem größeren Gespräch, wo jemand sagt, er habe seine Großeltern vor 60 Jahren verloren, und von deren Bauernhof erzählte, wie schön es dort war. Genau das, was diese Person macht, nämlich sich zu erinnern und sich gut erinnern zu können, ist noch immer eine Form von Trauern und vom Integrieren von Geschichte. Und deswegen finde ich dieses »Bewältigen« auch ein sehr schwieriges Wort. Es geht eher darum, mit Trauer zu leben, das aber nicht als Last zu empfinden. Denn das kann man, glaube ich, sagen: Die Last wird geringer, ja, aber sie wird nie weg sein.
Fee Vogel: Ja, und es gibt diesen schönen Satz: Trauer ist Liebe. Und wenn man sich den vergegenwärtigt, dann darf die Trauer eben auch bleiben.
Fee Vogel: Ehrlich gesagt ist Trauerbewältigung in diesem Zusammenhang schon der falsche Begriff. Trauer kann man nicht abschließend bewältigen, erledigen, abhaken, Trauer ist etwas, was bei einem bleibt. Es ist ein Prozess, der sich verändert, aber er bleibt.
Eric Wrede: Und das ist etwas, was wir natürlich häufig sehen: den Wunsch, Sachen abschließen zu können – wir sind ja alle Kinder der ersten Welt. Aber ich glaube, wenn man sich das selber einmal vergegenwärtigt: jemanden, den man geliebt hat, eine Sache, die einem richtig wichtig geworden ist – das Vermissen, selbst in positiver Form, wird immer weitergehen. Ich hatte das gerade in einem größeren Gespräch, wo jemand sagt, er habe seine Großeltern vor 60 Jahren verloren, und von deren Bauernhof erzählte, wie schön es dort war. Genau das, was diese Person macht, nämlich sich zu erinnern und sich gut erinnern zu können, ist noch immer eine Form von Trauern und vom Integrieren von Geschichte. Und deswegen finde ich dieses »Bewältigen« auch ein sehr schwieriges Wort. Es geht eher darum, mit Trauer zu leben, das aber nicht als Last zu empfinden. Denn das kann man, glaube ich, sagen: Die Last wird geringer, ja, aber sie wird nie weg sein.
Fee Vogel: Ja, und es gibt diesen schönen Satz: Trauer ist Liebe. Und wenn man sich den vergegenwärtigt, dann darf die Trauer eben auch bleiben.
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TRAUERBEWÄLTIGUNG– DIE WICHTIGSTEN FRAGEN UND ANTWORTEN
Was bedeutet Trauerbewältigung?
Der Begriff Trauerbewältigung suggeriert, dass Trauer abgeschlossen, erledigt oder abgehakt werden kann. Eric Wrede und Fee Vogel halten ihn deshalb für irreführend: Trauer bleibt, sie verändert sich jedoch im Laufe der Zeit. Statt von Bewältigung sprechen beide davon, mit Trauer zu leben – die Last werde geringer, aber sie verschwinde nie vollständig.
Ist Trauer eine Krankheit?
Nein. Trauer ist keine Krankheit, sondern eine normale Reaktion auf einen Verlust. Sie kommt in Wellen und ist in Bewegung. Zur Krankheit wird sie laut Wrede und Vogel vor allem dann, wenn sie verhindert wird – Trauer sei immer die Lösung und nie das Problem selbst.
Wie lange dauert Trauer?
Trauer hat kein Ende und verläuft nicht in festen Phasen. Sie verändert sich über das Leben hinweg und darf bleiben. Das Bild, das Fee Vogel im Interview dafür nutzt: eine Wunde, die verheilt erscheint und bei der plötzlich die Kruste abgeht, sodass es wieder weh tut. Auch nach Jahren ist das normal.
Wann wird Trauer behandlungsbedürftig?
Die Wahrscheinlichkeit, dass Trauer pathologisch und damit behandlungsbedürftig wird, ist nach Angaben der Autor:innen sehr gering. Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist Stillstand: Wenn über Wochen und Monate gar nichts gefühlt wird oder durchgehend sehr viel, ohne dass sich etwas verändert. Solange sich Trauer verändert, ist sie nicht pathologisch.
Was sagt man trauernden Menschen am besten?
Hilfreich ist die Botschaft: Ich bin vorbehaltlos da, ich halte aus. Statt Ratschlägen empfiehlt Fee Vogel die Frage »Was brauchst du?« – und wenn die Trauernden das nicht benennen können, ganz konkrete Angebote wie »Ich würde dir gerne nachher eine Suppe mitbringen.« Auch Ehrlichkeit ist erlaubt: »Ich habe gerade nicht die richtigen Worte.« Dazu gehört, wiederholte Erzählungen auszuhalten, weil das Wiederholen ebenfalls eine Form des Umgangs sein kann.
Welche Sätze schaden Trauernden?
Alles, was mit »Du musst« beginnt: »Du musst loslassen«, »Du musst nach vorne schauen«. Solche Sätze erzeugen Druck in einer Phase, in der Trauernde keinen Druck brauchen. Ebenso wenig helfen eigene Erfahrungsberichte und Tipps nach dem Muster »Mir hat Laufen geholfen«. Menschen zerbrechen häufig nicht nur an den eigenen Ansprüchen, sondern an den Erwartungen anderer – beim zu wenig wie beim zu viel Trauern.
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