Deutsch-Österreichischer Lyrikpreis für Esther Kinsky und Ann Cotten

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12.10.2026
Beitrag zu Deutsch-Österreichischer Lyrikpreis für Esther Kinsky und Ann Cotten
Esther Kinsky und Ann Cotten sind Preisträger:innen des dieses Jahr erstmals vergebenen Deutsch-Österreichischen Lyrikpreis 2026. Esther Kinsky erhält den Preis für ihren Gedichtband Heim.Statt; Ann Cotten wird für Poller. Idyllen ausgezeichnet.

Über die Vergabe des Preises entschied am 28. September eine unabhängige deutsch-österreichische Jury. »Die Jury würdigt Werke, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch die Gemeinsamkeit haben, dass sie poetisch, wortgewaltig die Grenzen der literarischen Gattungen überschreiten. Die Gedichtbände zeichnet Experimentierfreude, Ideenreichtum und die große Offenheit, die auch Ingeborg Bachmanns Werke prägte, aus« erklärte Wolfram Weimer, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien der Bundesrepublik Deutschlands. Mit dem Preis werde »nicht nur herausragende zeitgenössische Lyrik« gewürdigt, sondern auch der literarische und europäische Austausch gestärkt.

Der Deutsch-Österreichische Lyrikpreis wurde dieses Jahr anlässlich des 100. Geburtstages der Autorin Ingeborg Bachmann von dem Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien und dem österreichischen Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten ins Leben gerufen. Der gemeinsam initiierte Preis wird an je eine Lyrikerin oder einen Lyriker vergeben, deren Lebensmittelpunkt in Deutschland und Österreich liegt. Zum Preis gehört auch die Teilnahme an Übersetzungswerkstätten in Berlin und Wien. Projektträger sind die Österreichische Gesellschaft für Literatur (ÖGfL) und das Literarische Colloquium Berlin e.V. (LCB), in Kooperation mit dem TOLEDO-Programm des Deutschen Übersetzerfonds.

Der Preis wird am 25. November 2026 im Rahmen des Eröffnungsempfangs der Buch Wien vergeben und ist mit je 15.000 Euro dotiert.

Der berührende Gedichtzyklus von Esther Kinsky

Bilder von Flucht, Vertreibung und Versehrung über die Jahrtausende hinweg, in Historie und Mythos: Eurydike, panisch vor einem ihr nachstellenden Gott fliehend, übersieht die Schlange und stirbt an ihrem Biss. Landlose Häusler in Nordschottland, auf minderwertiges Land umgesiedelt oder zur Auswanderung gezwungen. Eine junge deutsche Adelige, gebildet und begabt, widersetzt sich dem »Gegebenen«, »den Sitten der Gefälligkeit« ihres Standes. Eine Magd in Polen verwandelt sich in einen Vogel und entkommt so der Armut und den Zumutungen des Lebens. Im äußersten Norden Italiens verweigern Frauen, über Monate auf sich allein gestellt, nach der Rückkehr der Männer die menschliche Sprache.
Esther Kinskys Heim.Statt ist ein Zyklus aus sieben mehrstimmigen Langgedichten, verbunden durch kurze Zwischentexte, die wiederkehrende Motive der Gewalt, der Verletzung, des Verstummens zum großen Thema der Flucht bündeln und verdichten. Wie Aufbruch und Verlust immer schon Bestandteil des menschlichen Daseins waren, Anlass zu Hoffnung und Trauma gleichermaßen, dafür findet Esther Kinsky berührende Bilder und eine bezwingende Sprache.

»Das Rhythmische verbindet sich in diesen Gedichten mit bestimmten Bildern, die wiederkehren und selbstständige Motivkomplexe bilden. Der Text entwirft seinen eigenen Sinnzusammenhang und stellt ihn der vorgefundenen Wirklichkeit entgegen.«
Helmut Böttiger, wochentaz
»Esther Kinskys poetisches Sprechen nähert sich in extremster Genauigkeit den Phänomenen und Kontexten an. Es ist ein Ausloten von Natur- und Kulturgeschichte als Gewaltgeschichte, nimmt Analogien in der Natur, Landschaften und Tradition nicht nur staunend und fasziniert wahr, sondern spitzt diese Analogien noch zu, über Bekanntes hinaus ...«
Beate Tröger, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Naturgedichte können höchst politisch sein, wie Esther Kinskys formidabler Band Heim.Statt beweist.«
Björn Hayer, Frankfurter Rundschau
»Das Rhythmische verbindet sich in diesen Gedichten mit bestimmten Bildern, die wiederkehren und selbstständige Motivkomplexe bilden. Der Text entwirft seinen eigenen Sinnzusammenhang und stellt ihn der vorgefundenen Wirklichkeit entgegen.«
Helmut Böttiger, wochentaz
»Esther Kinskys poetisches Sprechen nähert sich in extremster Genauigkeit den Phänomenen und Kontexten an. Es ist ein Ausloten von Natur- und Kulturgeschichte als Gewaltgeschichte, nimmt Analogien in der Natur, Landschaften und Tradition nicht nur staunend und fasziniert wahr, sondern spitzt diese Analogien noch zu, über Bekanntes hinaus ...«
Beate Tröger, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Naturgedichte können höchst politisch sein, wie Esther Kinskys formidabler Band Heim.Statt beweist.«
Björn Hayer, Frankfurter Rundschau
»Bildreich ist diese Poesie. Zugleich berichtet sie im Angesicht der Naturkatastrophen von Menschen, die der eigenen Stimme und Sprache bereubt sind. ... Beides miteinander zu verbinden, ist die große Kunst Esther Kinskys. «
WDR
»[Äußerst] selten findet sich in der gegenwärtigen deutschprachigen Lyrik eine derart intensive Auseinandersetizung mit dem Stofflichen ...«
ORF

»Wie man sich pflanzt, so lügt man.«

Ein reiner Gedichtband von derm lyrikskeptischsten Dichterni deutscher Sprache: Qualitätsware! Die als Poller gelesenen Stehtexte stecken in einem Botaniksubstrat, das 2009 angelegt wurde: ein innovatives Verfahren im Textrecycling, das Standfestigkeit mit konzeptueller Fruchtbarkeit vereint. Poller. Idyllen stellt bukolische Szenen, wie sie Theokrit sammelte, in Medienbildern und Lebenswelten der Gegenwart frei. Details dienen als Zeitstempel und Gelenke zugleich. Geringe Wortspieldichte, hohe Präzision. Im Sinne des Urban Mining ist Poller. Idyllen ein Reservoir für die Zukunft, deren Filterfunktion wache Analysen realer Situationen erlaubt, ohne sich mit Mitreisenden in veralteten Fachsprachen unterhalten zu müssen. Die Zweikomponentenpaste der Lyrik wird im Einklang mit der Tradition einseitig aufgetragen, denn »dass die Welt klebrig ist, wissen wir beide«.

»[Cotten] liebt die wilden Gärungsprozesse im Komposthaufen der Literaturgeschichte, und sie hat immer einen Häcksler parat, mit dem sie alte Äste schreddert.«
Tobias Lehmkuhl, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Literatur.«
DIE ZEIT
»Mit Cottens Werk muss man sich sehr intensiv auseinandersetzen. ... Die Rezeption von Cottens Werk hat prozessualen Charakter. Es ist eine Einladung zur schöpferischen Dekonstruktion. ... Erst visueller und sprachlicher Ausdruck gemeinsam ergeben das komplette Bild. Dann erschließen sich ... auch Humor und Spielcharakter von Cottens Kunst.«
Judith Leister, Literaturhaus Wien
»[Cotten] liebt die wilden Gärungsprozesse im Komposthaufen der Literaturgeschichte, und sie hat immer einen Häcksler parat, mit dem sie alte Äste schreddert.«
Tobias Lehmkuhl, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Literatur.«
DIE ZEIT
»Mit Cottens Werk muss man sich sehr intensiv auseinandersetzen. ... Die Rezeption von Cottens Werk hat prozessualen Charakter. Es ist eine Einladung zur schöpferischen Dekonstruktion. ... Erst visueller und sprachlicher Ausdruck gemeinsam ergeben das komplette Bild. Dann erschließen sich ... auch Humor und Spielcharakter von Cottens Kunst.«
Judith Leister, Literaturhaus Wien
»Ann Cotten ist eine große Humoristin vor dem Herrn ... [und] ihr Kreuzzug wider die Idylle resultiert in der lustvollsten Dichtung ...«
Ronald Pohl, Der Standard
»Ann Cotten gelingt eine Gegenwartslyrik, die ihrer eigenen Skepsis nicht erliegt!«
Alexander Bulucz, Buchkultur (3/2026)

Esther Kinsky wurde in Engelskirchen geboren und wuchs im Rheinland auf. Für ihr umfangreiches Werk, das Lyrik, Essays und Erzählprosa ebenso umfasst wie Übersetzungen aus dem Polnischen, Russischen und Englischen, wurde sie mit zahlreichen namhaften Preisen ausgezeichnet.
Esther Kinsky wurde in Engelskirchen geboren und wuchs im Rheinland auf. Für ihr umfangreiches Werk, das Lyrik, Essays und Erzählprosa ebenso umfasst...
Ann Cotten ist Schriftstelly, Übersetzy und Theorie-Fuzzy, derssen Spaß mit sprachlichen Genderingmethoden (Phettbergsches Entgendern, »polnisches Gendering«) in der medialen Wahrnehmung die seihrner zahlreichen Werke ernsthaften Inhalts überschattet. Cotten arbeitet seit 2021 an einer materialistischen Poetik als PhD-Projekt an der FU Berlin und gibt seit 2023 in Wien die jährlich erscheinende Zeitschrift Triëdere für literarische Essayistik mit heraus. Cottens Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Rompreis der Villa Massimo.
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Zuletzt aktualisiert am 13.10.2026