Hesse-Jubiläum 2012 – Eine Einleitung von Volker Michels

Udo Lindenberg: »Wie Hermann Hesse von klein auf seinen ganz eigenen Weg gegangen ist, trotz aller Schwierigkeiten, die ihm das brachte, das hat mich früh beeindruckt und beeinflusst auf meinem eigenen Weg.«

Patti Smith: »Er hat mich seit meiner Jugend stark beeinflusst. Seine Kraft, Energie und Vitalität waren mir immer ein Vorbild.«

Dalai Lama: »Ich teile seine Überzeugung, dass unsere menschliche Intelligenz besser für Frieden und Versöhnung geeignet ist als für Krieg und Vernichtung, und ich teile seine Einstellung über die reiche Vielfältigkeit menschlichen Lebens.«

Franz Beckenbauer: »Ich habe auf Reisen immer ein Hesse-Buch dabei.«

Juri Andruchowytsch: »Hesse ist der Lehrmeister des rettenden Eskapismus.«

Michel Mettler: »Hesse war der erste, der mich ganz und gar für die osmanischen Reiche der Fantasie gewinnen konnte, für ihre Farbenpracht, für ihre schillernde Weitläufigkeit, für das Zugleich und Nebeneinander von Abgrund und Glanz, das in ihnen herrscht.«

Hermann Burger: »Der Dichter aus Montagnola ist eine Weltmacht!«

Andreas Maier: »Eine große Künstlernatur. Jemand, der viel, sehr viel an sich gearbeitet hat, der sich im ganz ernsten Sinn als Person in seinem Schreiben selbst zu erarbeiten versucht hat. Das können nicht so viele von sich behaupten.«

Kosho, Söhne Mannheims: »Gerade dieses Suchen, dieses Zerrissensein, dieses Hin- und Herschwanken zwischen Materie und Geist oder Sumpf und Göttlichkeit, ist sehr faszinierend. Etwas, das einen als jungen Menschen total beschäftigt.«

Andreas Vollenweider: »Hesse ist ein Autor der menschlichen Tiefe. Er zeigt, wie wirklich unergründlich tief wir sind.«

Udo Lindenberg: »Hermann Hesse fing ich mit 20 an zu lesen. Das hat mich gepackt. Wie kann einer über mich schreiben, der mich nicht kennt. Hab‘ ich gedacht. Die kleine Stadt, die bürgerliche Enge, der Stress in der Schule, die Suche nach Coolness, der Ausbruch.«

Manfred Zapatka: »Was Hesse sagt, ist zeitlos.«

Juri Andruchowytsch: »Hätte es keinen Hermann Hesse gegeben, ich hätte ihn erfinden müssen.«

Jo Baier: »Hesse spricht mir aus der Seele.«

Ruth Maria Kubitschek: »Er hat eine Weisheit, in der ein Lächeln ist.«

Michael Kleeberg, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: »Die erste Lektüre Hermann Hesses ist wie der Sprung auf ein ablegendes Schiff , das nie in den Heimathafen zurückkehren wird, und das heißt ›Eigenes Leben‹.«

Florian Henckel von Donnersmarck: »Hermann Hesse wird als einer der Größten des 20. Jahrhunderts bestehen bleiben.«

Radio Bremen: »Was hier an Erfahrungen, Beobachtungen, Refl exionen und Appellen gesammelt und auf die knappsten Formulierungen gebracht ist, würde reichen, um Hermann Hesse unvergesslich zu machen.«

Literatur in Wissenschaft und Unterricht: »Heribert Kuhns Kommentar erweist sich als gehaltvolle, fordernde und inspirierende Anleitung zum Verständnis des Romans. Als die Leseausgabe für Studierende kann dieser Band daher unbedingt empfohlen werden.«

Volker Michels, der als langjähriger Lektor im Suhrkamp Verlag u. a. die erste Gesamtausgabe der Werke Hermann Hesses und mehr als hundert Themen- und Materialienbände zum Werk des Autors herausgegeben hat, gibt eine Einleitung zum Hesse-Jubiläum 2012.

Vor 50 Jahren, am 9.8.1962 ist Hermann Hesse gestorben. Doch sein Werk ist lebendiger als das der meisten seiner Zeitgenossen. Nach seinem Tod hat es rund um den Globus eine beispiellose Verbreitung gefunden. Die Weltauflage seiner in mehr als 70 Sprachen übersetzten Bücher beläuft sich inzwischen auf etwa 150 Millionen Exemplare. Entscheidend dazu beigetragen hat die kontinuierliche Erschließung seines umfangreichen Nachlasses, der in der ersten, 2005 abgeschlossenen 20-bändigen Ausgabe seiner Sämtlichen Werke annähernd 7000 Seiten umfasst.

Diese Ausgabe wird im Jubiläumsjahr 2012 nun auch in zwei preiswerten Taschenbuchkassetten der eigentlichen Zielgruppe seiner Leser, der nachwachsenden Generation zugänglich gemacht. Denn alle Hesse-Renaissancen der Vergangenheit sind  von jungen Lesern ausgelöst worden. Gegen den Anpassungsdruck von außen  ermutigen seine so anschaulich wie einprägsam geschilderten Erfahrungsfiktionen und Seelebiografien zur Selbststimmung und Verwirklichung unserer individuellen Anlagen.
Die erste dieser Kassetten umfasst in 10 Bänden das nun auch mit ausführlichen Nachworten und Kommentaren erschlossene erzählende, lyrische und dramatische Werk des Dichters. Die zweite versammelt das bisher kaum bekannte essayistische Werk mit Hesses politischen, feuilletonistischen und betrachtenden Schriften, den fünf Bände umfassenden, im Jahr 1900 einsetzenden Besprechungen guter Bücher, den autobiographischen Schriften und Tagebuchaufzeichnungen.
Ein 928 Seiten starker Registerband, der erstmals auch online konsultiert werden kann, ermöglicht es, auf bisher noch nicht dagewesene Weise das 14 Tsd. Seiten umfassende Gesamtwerk des Dichters nach allen relevanten Themen, Titeln und Personen zu erkunden und wissenschaftlich zu nutzen.

Doch auch in zahlreichen thematischen Einzelbänden, in Materialen- und Korrespondenz-Editionen ist das Werk des Dichters mittlerweile erschlossen. Da jeder Leser andere Interessensschwerpunkte hat, gibt es neben Themenbänden mit Hesses wichtigsten Stellungnahmen zur Politik, zur Religion, zur Musik, zur Psychoanalyse, über das  Träumen, das Glück, über Jugend, Alter und Tod auch Sammelbände mit seinen Reiseschilderungen, Wanderungen und Expeditionen aus der Frühzeit des Fliegens, Themenbände über Länder wie Italien und die Schweiz, die Kulturen Asiens (Indien und China), über Wahlheimaten wie den Bodensee und das Tessin. Nicht zu vergessen die Anthologien mit den heiteren Geschichten und Scherzgedichten,  den Liebesgeschichten, Märchen und Legenden. Hinzu kommen Einzelbände mit Naturschilderungen wie u.a. über Bäume, Wolken, Schmetterlinge, über die Jahreszeiten und seine Freude am Garten. In den Materialienbänden ist die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte seiner einflussreichsten Romane dokumentiert. Darüber hinaus überliefern mehrere Bände Reproduktionen der schönsten der etwa dreitausend Aquarelle, die Hesse ab seinem 40. Lebensjahr gemalt hat.
Ergänzend zur Studienausgabe der Sämtlichen Werke beginnt der Verlag mit einer zehnbändigen Auswahledition von Hermann Hesses wichtigsten Briefen, deren erster die Jahre 1882 bis 1904 umfassender Band auf fast 700 Seiten die spannende Geschichte seiner Kindheit und Jugend im Widerstand gegen die Berufspläne seiner Familie dokumentiert, bis er sich als freier Schriftsteller durchzusetzen vermochte.
Mehr als ein Drittel seiner Arbeitszeit verwandte der Dichter auf das Beantworten der über 40 Tsd. Zuschriften und Fragen von Lesern, die sein Lebenswerk ihm eingetragen hat. Diese Antworten sind eine unerschöpfliche biographische, werk- und zeitgeschichtliche Quelle und eine ebenso fesselnde wie kurzweilige Lektüre, denn es gibt kaum eine lebenswichtige Frage, die zu beantworten dem Dichter nicht zugemutet wurde.

Wer Hesses nun endlich erschlossenes essayistisches Werk und seine Briefe liest, der merkt, wie schief und oberflächlich das meiste ist, was hierzulande über diesen Autor bisher an Gemeinplätzen in Umlauf gebracht worden ist. Offensichtlicher noch als in seinen poetischen Werken erweist sich der Briefschreiber, Essayist und Zeitkritiker Hermann Hesse als ein in allen Lebenslagen hilfreicher, konstruktiver und zukunftsorientierter Kompass, der weit über die Grenzen des Literarischen hinaus zu wirken vermag. Seine Aufgeschlossenheit für andere Kulturen, die er nicht als Bedrohung, sondern als Ergänzung und willkommene Bereicherung unseres Weltbildes empfand, überwindet den Eurozentrismus und unsere ideologisch oder religiös bemäntelten macht- und wirtschaftspolitischen Interessenskonflikte.

»Heute liegt die politische Vernunft nicht mehr dort, wo die politische Macht liegt. Es muss ein Zustrom an Intelligenz und Intuition aus nichtoffiziellen Kreisen stattfinden, wenn Katastrophen verhindert oder gemildert werden sollen.
Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.«
                                                                   Hermann Hesse