Durs Grünbein
Jenseits der Literatur - Oxford Lectures

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Erschienen: 26.10.2020
Klappenbroschur, 176 Seiten
ISBN: 978-3-518-42951-8
Auch als eBook erhältlich

Inhalt

In seinen vier Vorlesungen, die er als Lord Weidenfeld Lectures im Jahr 2019 in Oxford gehalten hat, setzt sich der Dichter Durs Grünbein mit einem Thema auseinander, das ihn seit jenem Augenblick beschäftigt hat, als er die eigene Position in der Geschichte seiner Nation, seiner Sprachgemeinschaft und seiner Familie als historisch wahrzunehmen begann: Wie kann es sein, dass DIE GESCHICHTE, seit Hegel und Marx ein Fetisch der Geisteswissenschaften, die individuelle Vorstellungskraft bis in die privaten Nischen, bis in den Spieltrieb der Dichtung hinein bestimmt? Will nicht anstelle dessen Poesie die Welt mit eigenen, souveränen Augen betrachten?

In Form einer Collage oder »Photosynthese«, in Text und Bild, lässt Grünbein den fundamentalen Gegensatz zwischen dichterischer Freiheit und nahezu übermächtiger Geschichtsgebundenheit exemplarisch aufscheinen: Von der scheinbaren Kleinigkeit einer Briefmarke mit dem Porträt Adolf Hitlers bewegt er sich über das Phänomen der »Straßen des Führers«, also der Autobahnen, hinein in die Hölle des Luftkriegs.

Am Schluss aber steht eine erste Erfahrung von Ohnmacht im Schreiben und die daraus erwachsende, bis heute gültige Erkenntnis; »Es gibt etwas jenseits der Literatur, das alles Schreiben in Frage stellt. Und es gibt die Literatur, die Geschichte in Fiktionen durchkreuzt.«

Die renommierten Lord Weidenfeld Lectures sind seit 1993 einer der Höhepunkte im akademischen Jahr der Universität Oxford. Dazu eingeladen werden bedeutende Geisteswissenschaftler, Schriftsteller und Dichter. Zu den früheren Inhabern dieser Professur zählen George Steiner, Umberto Eco, Amos Oz und Mario Vargas Llosa.

Aus dem Buch

»Jeden Tag treibt uns Geschichte, diese brutale Übersetzung der Zeit in eine kollektive Erzählung, aus uns selbst heraus und verwirrt unsere Imagination. Wenn sie auch Träumer sein mögen, die Dichter – das einzige, woran sie nie zweifeln: Daß die Taten und die Gedanken der Vorfahren sie einholen werden.«

Pressestimmen

»Durs Grünbeins faszinierender Versuch einer alternativen Geschichte der NS-Zeit.«
Manfred Osten, DIE WELT
»Mit seinen im besten Sinne engagierten Lectures leistet Durs Grünbein seinen Teil gegen die fatale Sehnsucht nach der geschlossenen Gesellschaft.«
Kai Sina, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Grünbein [kann] durch seine inspirierten Recherchen ebenso überzeugen wie durch den anderen Blick, mit dem er Bekanntes wieder fremd macht.«
Hermann Wallmann, WDR
»Grünbein bewegt sich sprachlich wie fachlich gekonnt im NS-Koordinatensystem und analysiert, wie wirkmächtig Technik, Ideologie und Sprache sich verbunden haben.«
Passauer Neue Presse
»Durs Grünbein ist ein Meister des [Essay-]Genres ...«
ORF
»Jenseits der Literatur ist ein geharnischter, kluger und umsichtiger Essay.«
Michael Braun, Kölner Stadt-Anzeiger
»Durs Grünbeins brillanter Gedankenstrom in vier Teilen sollte viel diskutiert und gelesen werden.«
Peter Helling, NDR
»Ausgehend vom historischen Detail und ausgerüstet mit einem enormen Wissen, zieht [Durs Grünbein] historische Koordinaten nach und sucht nach den Verschaltungen von Technik, Ideologie und Sprache.«
Jörg Schieke, MDR KULTUR

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