5 Fragen an Clara Leinemann zu Gelbe Monster

Eigentlich hatte alles so gut angefangen … In Gelbe Monster erzählt Clara Leinemann mit Leichtigkeit und Witz von einer Beziehung, die perfekt zu sein scheint – bis sie es nicht mehr ist. Dabei setzt sich die Autorin mit tradierten Liebesidealen, weiblicher Gewalt und emotionaler Abhängigkeit auseinander und zeichnet das Porträt einer so liebenswerten wie ambivalenten Antiheldin. Hier beantwortet Clara Leinemann fünf Fragen zur Entstehung ihres mitreißenden Debütromans.
Gelbe Monster ist Dein Debütroman. Wie lange hast Du daran geschrieben, und wo nahm die Geschichte ihren Anfang?
An dem Manuskript habe ich etwa ein Jahr aktiv geschrieben, und dann gab es einige Überarbeitungs- und Kürzungsdurchläufe. Angefangen hat es für mich, als ich die Serie Killing Eve geschaut habe. In der ersten Szene der Pilotfolge wird eine der Hauptfiguren dadurch eingeführt, dass sie in einem Eiscafé ein Mädchen zuerst anlächelt, und kurz danach im Vorbeigehen dessen Eisbecher umwirft. Das fand ich super. Eine Figur damit einzuführen, dass sie etwas völlig Unerwartetes tut, ist nicht neu, aber die Bewegung von Freundlichkeit zu Aggression war für mich sehr spannend. Daraus ist dann die Idee gewachsen, ein sehr aktives Innenleben zu beschreiben, das immer wieder auf ein entgegengesetztes Außen prallt. Charlie ist ganz anders als die Figur aus Killing Eve, aber die Szene hat vielleicht den ersten Impuls gesetzt.
Im Zentrum des Romans steht Charlie. Beschreibe sie in einem Satz.
Charlie hasst sich irgendwie sehr.
Dein Roman kreist stark um die Frage, was Liebe verspricht und was Freundschaft leisten kann. Was bedeutet Dir dieses Spannungsfeld, und warum ist Charlie darin so zerrissen?
Charlies Denken und Handeln sind sehr von internalisierter Misogynie geprägt, die sich gegen sich selbst, aber auch gegen andere Frauen richtet. Sie hat das Gefühl, ihr eigener Wert hängt daran, ob sie von einem Mann geliebt wird oder nicht. Dass sie von einer ganz anderen Seite sehr viel Liebe erfährt, hat für sie nicht dieselbe aufwertende Funktion. In der Verbindung zu Valentin sieht Charlie für sich das Versprechen eines inneren, selbstakzeptierenden Friedens, der auf diesem Weg und mit diesen Mitteln aber immer unerreichbar für sie bleibt.
Was hat Dich dazu bewegt, einen Roman über eine Beziehung zu schreiben, in der die Gewalt von der Frau ausgeht, und wie erzählst Du von dieser weiblichen Wut?
Die romantische, heterosexuelle Beziehung war für mich der einfachste Kontext für die Beschreibung von Charlies Wut, in der sich Wünsche und Ängste ausdrücken, die stark mit weiblicher Sozialisierung zu tun haben. In erster Linie ging es mir dann darum zu schauen, welche Ursachen es für Gewalt im privaten Kontext geben kann, und wie sich ein Gewalzyklus konstituiert und aufrechterhält. In dieser spezifischen Konstellation habe ich dann gemerkt, dass ich bei der Darstellung der Verwicklung der beiden Figuren sehr komplex werden kann. Auch wenn Charlie in meinen Augen ganz klar für ihr eigenes Verhalten verantwortlich ist, konnte ich mich beim Schreiben an Grenzgebiete von Schuld begeben, was mir bei der Beschreibung eines gewalttätigen Cis-Mannes extrem schwer gefallen wäre – es wäre auch einfach eine ganz andere Geschichte. Gleichzeitig war es mir wichtig, die Individualität dieser Beziehung zu betonen. Dafür habe ich das Setting der Antiaggressionsgruppe gewählt. Hier können einerseits Überschneidungen im Erleben erzählt werden, und andererseits deutet sich an, dass Wut sich bei Frauen, wie bei allen anderen Menschen, ganz unterschiedlich artikulieren kann. Auch die Frage, wo Gewalt überhaupt anfängt, ist hier immer wieder in den Vordergrund gerückt.
Wer sollte Gelbe Monster unbedingt lesen?
Ich glaube, alle können es ganz gut lesen, weil der Plot spannend ist.
Gelbe Monster ist Dein Debütroman. Wie lange hast Du daran geschrieben, und wo nahm die Geschichte ihren Anfang?
An dem Manuskript habe ich etwa ein Jahr aktiv geschrieben, und dann gab es einige Überarbeitungs- und Kürzungsdurchläufe. Angefangen hat es für mich, als ich die Serie Killing Eve geschaut habe. In der ersten Szene der Pilotfolge wird eine der Hauptfiguren dadurch eingeführt, dass sie in einem Eiscafé ein Mädchen zuerst anlächelt, und kurz danach im Vorbeigehen dessen Eisbecher umwirft. Das fand ich super. Eine Figur damit einzuführen, dass sie etwas völlig Unerwartetes tut, ist nicht neu, aber die Bewegung von Freundlichkeit zu Aggression war für mich sehr spannend. Daraus ist dann die Idee gewachsen, ein sehr aktives Innenleben zu beschreiben, das immer wieder auf ein entgegengesetztes Außen prallt. Charlie ist ganz anders als die Figur aus Killing Eve, aber die Szene hat vielleicht den ersten Impuls gesetzt.
Im Zentrum des Romans steht Charlie. Beschreibe sie in einem Satz.
Charlie hasst sich irgendwie sehr.
Dein Roman kreist stark um die Frage, was Liebe verspricht und was Freundschaft leisten kann. Was bedeutet Dir dieses Spannungsfeld, und warum ist Charlie darin so zerrissen?
Charlies Denken und Handeln sind sehr von internalisierter Misogynie geprägt, die sich gegen sich selbst, aber auch gegen andere Frauen richtet. Sie hat das Gefühl, ihr eigener Wert hängt daran, ob sie von einem Mann geliebt wird oder nicht. Dass sie von einer ganz anderen Seite sehr viel Liebe erfährt, hat für sie nicht dieselbe aufwertende Funktion. In der Verbindung zu Valentin sieht Charlie für sich das Versprechen eines inneren, selbstakzeptierenden Friedens, der auf diesem Weg und mit diesen Mitteln aber immer unerreichbar für sie bleibt.
Was hat Dich dazu bewegt, einen Roman über eine Beziehung zu schreiben, in der die Gewalt von der Frau ausgeht, und wie erzählst Du von dieser weiblichen Wut?
Die romantische, heterosexuelle Beziehung war für mich der einfachste Kontext für die Beschreibung von Charlies Wut, in der sich Wünsche und Ängste ausdrücken, die stark mit weiblicher Sozialisierung zu tun haben. In erster Linie ging es mir dann darum zu schauen, welche Ursachen es für Gewalt im privaten Kontext geben kann, und wie sich ein Gewalzyklus konstituiert und aufrechterhält. In dieser spezifischen Konstellation habe ich dann gemerkt, dass ich bei der Darstellung der Verwicklung der beiden Figuren sehr komplex werden kann. Auch wenn Charlie in meinen Augen ganz klar für ihr eigenes Verhalten verantwortlich ist, konnte ich mich beim Schreiben an Grenzgebiete von Schuld begeben, was mir bei der Beschreibung eines gewalttätigen Cis-Mannes extrem schwer gefallen wäre – es wäre auch einfach eine ganz andere Geschichte. Gleichzeitig war es mir wichtig, die Individualität dieser Beziehung zu betonen. Dafür habe ich das Setting der Antiaggressionsgruppe gewählt. Hier können einerseits Überschneidungen im Erleben erzählt werden, und andererseits deutet sich an, dass Wut sich bei Frauen, wie bei allen anderen Menschen, ganz unterschiedlich artikulieren kann. Auch die Frage, wo Gewalt überhaupt anfängt, ist hier immer wieder in den Vordergrund gerückt.
Wer sollte Gelbe Monster unbedingt lesen?
Ich glaube, alle können es ganz gut lesen, weil der Plot spannend ist.
Das mitreißende Debüt
Die Mathematikstudentin Charlie sitzt mit einem blauen Auge in der U-Bahn. Eben hat sie noch »schlechter Mensch« gegoogelt, jetzt ist sie auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining für Frauen. Nur wenn sie daran teilnimmt, darf sie weiter bei ihrer besten Freundin Ella wohnen. In die eigene Wohnung kann sie nicht zurück. Doch mit den »Schwerverbrecherinnen«, die sie in der Gruppe anzutreffen vermutet, will Charlie nichts zu tun haben. Ist es denn ihre Schuld, dass ihr Exfreund Valentin sie immer wieder zur Weißglut trieb? Dabei hatte es gut angefangen: Mit ihm an der Seite fühlte sie sich endlich schön, als besserer Mensch. Bis es eskalierte. Erst im Austausch mit den anderen Frauen beginnt Charlie, sich ihrer eigenen Verantwortung zu stellen, die Geschichte neu zu erzählen. Mit Ellas Unterstützung kämpft sie sich aus der Spirale von Wut, Schmerz und Scham heraus.
Mit Leichtigkeit und Witz erzählt Clara Leinemann in Gelbe Monster von einer Beziehung, die perfekt zu sein scheint – bis sie es nicht mehr ist. Von tradierten Liebesidealen, weiblicher Gewalt und emotionaler Abhängigkeit. Ein mitreißendes Debüt, dessen Antiheldin so liebenswert ist, dass man sich auf der letzten Seite nicht von ihr trennen möchte.
Mit Leichtigkeit und Witz erzählt Clara Leinemann in Gelbe Monster von einer Beziehung, die perfekt zu sein scheint – bis sie es nicht mehr ist. Von tradierten Liebesidealen, weiblicher Gewalt und emotionaler Abhängigkeit. Ein mitreißendes Debüt, dessen Antiheldin so liebenswert ist, dass man sich auf der letzten Seite nicht von ihr trennen möchte.
Stimmen
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»Glaubwürdig erzählt Leinemann von Scham, Schuld, emotionaler Abhängigkeit und Wunden aus der Kindheit – und das mit einer verstörenden Leichtigkeit.«
Silvi Feist, emotion
»Clara Leinemann nähert sich dieser Beziehung mit so viel Feingefühl, dass man nicht umhinkommt, sich zu fragen: Hätte das auch ich sein können?«
Marie Ladstätter, tipBerlin
»Clara Leinemanns fulminanter Roman zeigt mit großer Leichtigkeit, dass es unendlich mehr zu verstehen gibt, als man glaubt.«
Shida Bazyar
»Es ist faszinierend, wie dieser Roman seine Lesenden dazu bringt, die Geschichte selbst weiterzuschreiben. Ein Text der lange nachwirkt.«
Charlotte Gneuß
»Diese Geschichte ist keine leichte Kost, lässt sich dafür aber sehr gut lesen. ... Ein Debüt, dass ein wichtiges Thema aufgreift und Raum für eigene Gedanken lässt. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.«
Diana Gruetz
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