
Svenja Leiber über ihren Roman Nelka
Welche Spuren haben die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen? In ihrem neuen Roman erzählt Svenja Leiber von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten. Im Nachwort spricht die Autorin über die Entstehung von Nelka und gibt Einblick in die historischen Hintergründe.


Nachwort
Im Garten meines Elternhauses steht ein Apfelbaum. Er ist achtzig Jahre alt und der letzte seiner Art. Über die Herkunft des Baumes wusste ich lange nichts.
Im Dorf gab es immer Geschichten. Auch solche, die unter den Kindern kursierten. Von Frauen, die man in einen Entenstall sperrte; von einer blutenden Arbeiterin auf einem Kartoffelacker; vom Müller, der einen Mann erhängte; und von dem Jungen, der im unterirdischen Speicher eines nahen Gutes verschwand.
So vage und unzusammenhängend die Geschichten waren, so sehr war ihnen ein Wort gemein, ein Wort, das eine scheinbare Zusammengehörigkeit der Begriffe »Polen« und »placken« herzustellen schien, als gehörten sie in irgendeiner Weise zueinander.



Alle Fotos: © Svenja Leiber
Der Roman
Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.
Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen haben, bis in die Gegenwart und Landschaften hinein, das macht Svenja Leiber in ihrem neuen Roman sichtbar. Sie erzählt von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten. Nelka beleuchtet ihre Schicksale hellwach und sensibel – und bewahrt die Erinnerung an sie.
Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen haben, bis in die Gegenwart und Landschaften hinein, das macht Svenja Leiber in ihrem neuen Roman sichtbar. Sie erzählt von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten. Nelka beleuchtet ihre Schicksale hellwach und sensibel – und bewahrt die Erinnerung an sie.
Stimmen zum Roman
»Ein
Buch, das man nicht vergisst.«
Gabriel Rath, Die Presse am Sonntag
»Der Autorin gelingt ... Großes.
Beinahe sachlich schildert sie das Leben
der Zwangsarbeiterinnen; eine bedrückende Parallelwelt, in deren Abspaltung
das Ungeheuerliche des Vorgangs spürbar wird, aber auch das Menschliche.«
Hannoversche Allgemeiene Zeitung
»Ein vielschichtiger Roman über Schuld und Erinnerung, der lange nachhallt.«
freundin
»In ruhigen, knappen Sätzen, die die vielen Zwischentöne umso klarer klingen lassen, erzählt Svenja Leiber in Nelka ihre tieftraurige Geschichte einer stillen, widerständigen Überlebenden. Zugleich spiegelt sich in dieser das gesamte historische Unrecht von Zwangsverschleppung, Gewalt, Missbrauch und Abhängigkeit, die ihre Spuren nicht nur in Körpern, Frauenkörpern zumal, hinterlassen haben, sondern ebenso in der Landschaft, die bis in die Gegenwart sichtbar von den Händen der Versklavten mitgestaltet wurde.«
Julia Kospach, Falter
»Svenja Leiber gelingt es, dieses beklemmende Thema unserer Vergangenheit auf eine zauberhafte Weise zu
beschreiben. ... Selten wird deutsche
Geschichte aus der Zeit der Nazi-Diktatur so poetisch und sanft, aber doch
eindringlich und klar erzählt wie in
diesem Roman.«
Südwest Presse
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Zuletzt aktualisiert am 25.01.2026






