Svenja Leiber über ihren Roman Nelka

Beitrag zu Svenja Leiber über ihren Roman <i>Nelka</i>
Welche Spuren haben die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen? In ihrem neuen Roman erzählt Svenja Leiber von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten. Im Nachwort spricht die Autorin über die Entstehung von Nelka und gibt Einblick in die historischen Hintergründe.

Foto eines Apfelbaums im Sommer

Foto eines Apfelbaums im Winter

Foto eines Apfelbaums bei Nacht

Nachwort


Im Garten meines Elternhauses steht ein Apfelbaum. Er ist achtzig Jahre alt und der letzte seiner Art. Über die Herkunft des Baumes wusste ich lange nichts.
Im Dorf gab es immer Geschichten. Auch solche, die unter den Kindern kursierten. Von Frauen, die man in einen Entenstall sperrte; von einer blutenden Arbeiterin auf einem Kartoffelacker; vom Müller, der einen Mann erhängte; und von dem Jungen, der im unterirdischen Speicher eines nahen Gutes verschwand.
So vage und unzusammenhängend die Geschichten waren, so sehr war ihnen ein Wort gemein, ein Wort, das eine scheinbare Zusammengehörigkeit der Begriffe »Polen« und »placken« herzustellen schien, als gehörten sie in irgendeiner Weise zueinander.

Schwarz-Weiß Foto eines Apfelbaums neben einem alten Bauernhaus

Schwarz-Weiß-Foto eines alten Bauernhofstalls

Schwarz-Weiß-Foto eines Traktors

Alle Fotos: © Svenja Leiber

Der Roman

Nelka
eBook 19,99 €
Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.
Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen haben, bis in die Gegenwart und Landschaften hinein, das macht Svenja Leiber in ihrem neuen Roman sichtbar. Sie erzählt von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten. Nelka beleuchtet ihre Schicksale hellwach und sensibel – und bewahrt die Erinnerung an sie.

Stimmen zum Roman

»[Leiber findet] in ihrem nun sechsten Roman, eine wirklich unabgenutzte Sprache: ohne Sentimentalität und verlogene Melancholie, mit Härte manchmal, unaufgeregt; poetisch manchmal, auch das.«
Rose-Maria Gropp, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Der Autorin Svenja Leiber gelingt es, den abstrakten Geschichten von der Zwangsarbeit Gesichter zu verleihen. Die Hoffnungen und Träume Nelkas und ihr immerwährender Kampf, trotz der Erniedrigungen den Lebensmut nicht zu verlieren: All dies beschreibt die Schriftstellerin mit einer Leichtigkeit, die das eigentlich schwere Thema bei aller bitterer Melancholie adäquat umsetzt. Dabei hat sie eine starke Frauenpersönlichkeit als Heldin geschaffen.«
Manfred Hitzeroth, Oberhessische Presse
»Keine Spur von Effekthascherei, dafür Zeugnis von Geschichte, die allzu schnell sprachlos macht. Grosse Literatur!«
literaturblatt.ch
»[Leiber findet] in ihrem nun sechsten Roman, eine wirklich unabgenutzte Sprache: ohne Sentimentalität und verlogene Melancholie, mit Härte manchmal, unaufgeregt; poetisch manchmal, auch das.«
Rose-Maria Gropp, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Der Autorin Svenja Leiber gelingt es, den abstrakten Geschichten von der Zwangsarbeit Gesichter zu verleihen. Die Hoffnungen und Träume Nelkas und ihr immerwährender Kampf, trotz der Erniedrigungen den Lebensmut nicht zu verlieren: All dies beschreibt die Schriftstellerin mit einer Leichtigkeit, die das eigentlich schwere Thema bei aller bitterer Melancholie adäquat umsetzt. Dabei hat sie eine starke Frauenpersönlichkeit als Heldin geschaffen.«
Manfred Hitzeroth, Oberhessische Presse
»Keine Spur von Effekthascherei, dafür Zeugnis von Geschichte, die allzu schnell sprachlos macht. Grosse Literatur!«
literaturblatt.ch
»[Ein] packendes, aber auch poetisch verfasstes Buch. Svenja Leiber widmet sich diesem Abgrund deutscher Geschichte respektvoll, ohne Voyeurismus.«
Michael Husarek, Nürnberger Nachrichten
»Die Autorin schildert das Leben der Zwangsarbeiterin Nelka, ohne auf einfache Täter-Opferklischees zurückgreifen ..., sie überlässt die Urteilsbildung uns Leserinnen und Lesern, sie reproduziert keine Gewalt ..., das finde ich eine große Leistung. Und sie erinnert daran, dass Geschichte sich nicht nur in Körper und Biografien einschreibt, sondern auch in Landschaften.«
Annette König, SRF

WERKE VON SVENJA LEIBER

Nelka

Das letzte Land

10,00 €

Kazimira

12,00 €

Staub

24,00 €
10,00 €
12,00 €
24,00 €

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10,00 €
25,00 €

Svenja Leiber, 1975 in Hamburg geboren, wuchs in Norddeutschland auf und verbrachte als Kind einige Zeit in Saudi-Arabien. Sie studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte, debütierte 2005 mit dem Erzählungsband Büchsenlicht, 2010 folgte der Roman Schipino. Im Suhrkamp Verlag erschien 2014 Das letzte Land, 2018 Staub und 2021 Kazimira. Svenja Leiber lebt und arbeitet in Berlin und Schleswig-Holstein.
Svenja Leiber, 1975 in Hamburg geboren, wuchs in Norddeutschland auf und verbrachte als Kind einige Zeit in Saudi-Arabien. Sie studierte Philosophie,...
Zuletzt aktualisiert am 25.01.2026