Polina Barskova
Lebende Bilder

Aus dem Russischen von Olga Radetzkaja
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Erschienen: 26.10.2020
Gebunden, 218 Seiten
ISBN: 978-3-518-42942-6
Auch als eBook erhältlich

Inhalt

Sie weigern sich, im Keller Schutz zu suchen, und harren in der dunklen, zugigen Gemäldegalerie aus, Kälte und Hunger trotzend. Mojsej, 25, und Antonina, 37, sind Mitarbeiter der Leningrader Eremitage, einem der schönsten Kunstmuseen der Welt. Im Winter 1941/42 wird es zu ihrem letzten Zufluchtsort. Anfangs rezitieren sie Gedichte, erzählen sich das Märchen von der Schneekönigin, stellen zwei Rembrandt-Gemälde nach, die aus dem Museum evakuiert werden sollen. Als sie versuchen, sich an ein Lied zu erinnern, versagen ihre Stimmen. Das Lauschen in die Stille hinein, das wiederholte Rufen, Sichvergewissern, ob der andere noch da ist, das auf elementare Bruchstücke reduzierte Gespräch zweier Liebender, erweist sich am Ende als eine »Dokumentation aus Stimmen« authentischer Figuren, die in der Leningrader Blockade umgekommen sind.
Lebende Bilder heißt dieser zentrale Text des Bandes, dem zehn längere und kürzere Prosastücke vorangestellt sind. Alle kreisen sie um Sankt Petersburg als imaginären Ort, auch wenn sie in Lowell/Massachusetts, in San Francisco oder an einem Strom in Sibirien spielen und von Kindheit, erster Liebe und schmerzlichen Verlusten handeln.

Polina Barskovas lyrische Sprache ruft uns, gleichsam durch Raum und Zeit hindurch, als Zeugen mit an die Schauplätze und rückt jedes Erleben in die größere Geschichte ein. In dem Versuch, private Erinnerung und kulturelles Gedächtnis ineinander zu verweben, verweigert sie sich traditionellen Erzählformen – nicht programmatisch, sondern aus einer existenziellen Erfahrung heraus.

Pressestimmen

»Die Glanzstücke der Sammlung Lebende Bilder finden sich in dem Abschnitt Laubriss, liebevoll böse Beobachtungen zur Leningrader Literatur und zu ihren ›drittklassigen, unwichtigen Wortfriseuren.‹«
Franz Haas, Neue Zürcher Zeitung
»Wer sich auf Polina Barskovas Wagnis eines verzaubernden Experimentierens mit Prosa einlässt, erlebt die sich immer weiter verzweigende Kontextualität der Künste in lebenden Bildern.«
Herbert Wiesner, DIE WELT
»Wenn [Barskova] etwa ... Jakow Druskin und dessen jüngeren Bruder Michail ... auftreten lässt, gelingt ihr auf nur zwölf Seiten ein faszinierendes Doppelporträt ...«
Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Das Unternehmen ... ist nicht ausschließlich düster, sondern von minutiöser, bisweilen verwirrender Präzision und Konkretheit, voll überbordender erzählerischer und stilistischer Einfälle, bisweilen voller Witz.«
Erich Klein, ORF
»Lebende Bilder ist formal lohnende Textarbeit, ein reich gesponnener Band um Kunst, KünstlerInnen, die Bedingungen ihrer gegenseitigen Durchdringung in Zeiten des Durchhaltens.«
Jonis Hartmann, Fixpoetry
»Pallas Athene schreibt Modern Talking summend im Blätterwald von Amherst das Werk der verhungerten Leningrader Dichter fort.«
Annett Gröschner, radioeins - Die Literaturagenten
»Lebende Bilder ist ein hochpoetisches Buch über Erinnerungen an eine sowjetische Kindheit und eine Neufindung in den USA, zwischen die sich ein Petersburger Stimmenchor schiebt. Elegant verbindet Polina Barskovas Prosa alle Genres zu einer neuen Erzählform.«
Christine Hamel, WDR 3
»... ein kunstvoll geschriebenes Buch über Poesie, über Erinnerungen an eine sowjetische Kindheit, über das Land, das auf den Landkarten nicht mehr existiert, über Amerika auf der anderen Seite der Erdkugel und über die Menschen, die ganz unterschiedlich und doch überall so gleich sind.«
Michael Schleicher, karenina.de
»Die Autorin Polina Barskova schildert ergriffen und ergreifend, sprachmächtig, kunstvoll und inhaltsreich die in tödlicher Zeit schreibenden, leidenden und sterbenden Menschen und sagt mit vielen wunderbar erfundenen Details die Wahrheit, nichts als die Wahrheit.«
Rainer Rönsch, literaturkritik.de

Videobeiträge

Kommentare

Ein genaues, schreckliches und wunderschönes Buch.
Maria Stepanova

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