Wissenschaft als Kunst
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Wie kann man die Natur der Künste bestimmen? In welcher Weise läßt sich ihre Geschichte verstehen? Wodurch können die Wissenschaften definiert werden? Womit ist die Aufeinanderfolge wissenschaftlicher Denkweisen zu erklären? Welches sind die Beziehungen zwischen den Wissenschaften und den Künsten? Was ist die Rolle beider in einer freien Gesellschaft? Bei der Beantwortung dieser Fragen geht Paul Feyerabend von der Kunsttheorie Alois Riegls aus. Nach Riegls zu Beginn dieses Jahrhunderts...
Wie kann man die Natur der Künste bestimmen? In welcher Weise läßt sich ihre Geschichte verstehen? Wodurch können die Wissenschaften definiert werden? Womit ist die Aufeinanderfolge wissenschaftlicher Denkweisen zu erklären? Welches sind die Beziehungen zwischen den Wissenschaften und den Künsten? Was ist die Rolle beider in einer freien Gesellschaft? Bei der Beantwortung dieser Fragen geht Paul Feyerabend von der Kunsttheorie Alois Riegls aus. Nach Riegls zu Beginn dieses Jahrhunderts entfalteter Theorie gibt es in der Kunst keinen Fortschritt und keinen Verfall, wohl aber verschiedene Stilformen; jede dieser Stilformen ist in sich vollkommen und gehorcht ihren eigenen Gesetzen. Die Antwort Riegls auf die ersten beiden der oben gestellten Fragen lautet also: Kunst ist die Produktion von Stilformen und die Geschichte der Kunst die Geschichte ihrer Aufeinanderfolge. Paul Feyerabend kann zeigen, daß dieser Rieglsche Standpunkt auch auf die Wissenschaften anwendbar ist. Denn die oft als Unterscheidungsmerkmale der Wissenschaften angeführten Kriterien wie »Wahrheit« und »Überprüfbarkeit« der Theorien besitzen nur innerhalb bestimmter Denkstile Gültigkeit -was als Wahrheit gelten kann und wie wahre Aussagen zu überprüfen sind, wird von der jeweiligen wissenschaftlichen Theorie selbst definiert. Paul Feyerabends Antwort auf die drei letzten der eingangs erwähnten fragen lautet also: »daß die Wissenschaften Künste sind im Sinne dieses ( d.h. des Rieglschen) fortschrittlichen Kunstverständnisses«; und daß beide in einer demokratischen Gesellschaft nicht mehr Autorität haben, als freie Bürger ihnen zugestehen.
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Torstraße 44
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